Wie LiDAR funktioniert
LiDAR steht für Light Detection and Ranging. Der Sensor sendet Tausende unsichtbarer Infrarot-Laserimpulse pro Sekunde aus und misst exakt, wie lange jeder Impuls braucht, um nach dem Abprallen von einer Oberfläche zurückzukehren. Weil sich Licht mit einer bekannten Geschwindigkeit ausbreitet, ergibt sich aus der Rücklaufzeit direkt eine Entfernung. Der Sensor tut dies im gesamten Sichtfeld und erzeugt so eine dichte Punktwolke – eine 3D-Karte jeder Oberfläche in Reichweite.
Im Smartphone sitzt der LiDAR-Sensor direkt neben der Kamera. Er läuft kontinuierlich, während du einen Raum scannst, und misst dabei jede Wand, jeden Boden, jede Decke und jedes Objekt in Echtzeit. Das Ergebnis ist kein Foto – es ist ein geometrisches Modell aus Millionen einzelnen Distanzmessungen.
Das unterscheidet sich grundlegend davon, wie eine Standardkamera funktioniert. Eine Kamera erfasst Lichtintensität und Farbe. Sie hat keine direkte Möglichkeit, Entfernungen zu messen. Jede Tiefeninformation, die eine Standardkamera liefert, ist geschätzt, nicht gemessen.
LiDAR vs. Standardkamera: Was der Unterschied in der Praxis bedeutet
Eine Standardkamera schätzt die Tiefe anhand von Bildern mithilfe von Algorithmen – ein Verfahren namens Photogrammetrie. Die Kamera nimmt sich leicht überlappende Fotos aus leicht unterschiedlichen Winkeln auf und berechnet die Tiefe durch deren Vergleich. Das funktioniert für Fotos einigermaßen gut, ist aber für maßgenaue Dokumentation nicht zuverlässig genug.
| Faktor | LiDAR-Sensor | Standardkamera |
|---|---|---|
| Methode der Tiefenmessung | Direkt – Laserimpuls-Zeitmessung | Geschätzt – Algorithmus-basierte Ableitung |
| Genauigkeit beim Scannen von Räumen | Innerhalb von 1 % – etwa 1–2 cm pro Wand | Stark schwankend – nimmt mit der Entfernung ab |
| Leistung bei schwachem Licht | Unbeeinflusst – nutzt Infrarot, kein sichtbares Licht | Nimmt deutlich ab |
| Funktioniert in Räumen ohne markante Merkmale | Ja – misst die Geometrie direkt | Unzuverlässig – benötigt visuelle Textur |
| Grundrissausgabe | Automatisch – die Geometrie basiert auf echten Messungen | Manuelles Nachzeichnen erforderlich |
| Geeignet für professionelle Dokumentation | Ja | Nein |
Die praktische Konsequenz ist: Ein Grundriss aus LiDAR-Daten hat echte Abmessungen. Ein Grundriss aus der Tiefenschätzung einer Standardkamera hat ungefähre Abmessungen. Für alles, was in CAD importiert, für Energieberechnungen genutzt oder an einen Handwerker weitergegeben wird, macht der Unterschied etwas aus.
LiDAR vs. Photogrammetrie vs. dedizierter Laserscanner
LiDAR liegt zwischen Photogrammetrie (kamerabasierte Tiefenschätzung) und professionellen terrestrischen Laserscannern, was Genauigkeit und Kosten betrifft. Jede Methode eignet sich für unterschiedliche Aufgaben.
Kamerabasierte Schätzung
Funktioniert auf jedem Smartphone. Genauigkeit variiert – typischerweise ±5–10 cm pro Raum. Geeignet für grobe Skizzen, nicht für professionelle Dokumentation oder CAD-Import.
Direkte Messung, mobil
Genauigkeit innerhalb von 1 % – etwa 1–2 cm pro Wand. Ausreichend für Renovierungsplanung, Energiebewertungen, Bestandsaufnahmen und CAD-Workflows. Läuft auf iPhone Pro oder iPad Pro.
Genauigkeit im Sub-Millimeter-Bereich
Geräte wie Leica BLK oder FARO Focus liefern eine Genauigkeit von 1–3 mm. Kosten: 5.000–50.000+ €. Erforderlich für Statik, industrielle Dokumentation oder Denkmalpflege.
Für den Großteil der professionellen Gebäudedokumentation – Renovierung, Energieaudit, Bestandsaufnahme, Beleuchtungs- oder Elektroplanung – liefert Smartphone-LiDAR die für die Aufgabe erforderliche Genauigkeit, bei einem Aufwand an Kosten und Zeit, der sie bei jedem Vor-Ort-Termin praktikabel macht.
Wann die Genauigkeit von LiDAR wichtig ist – und wann nicht
Eine LiDAR-Genauigkeit von 1–2 cm pro Wand reicht für die meisten professionellen Dokumentationsarbeiten aus. Es gibt Fälle, in denen sie mehr als ausreicht, Fälle, in denen sie genau richtig ist, und Fälle, in denen ein präziseres Instrument notwendig ist.
| Anwendungsfall | Erforderliche Genauigkeit | LiDAR ausreichend? |
|---|---|---|
| Renovierungsplanung | ±2–5 cm | ✓ Ja |
| Energieaudit-Dokumentation | ±2–5 cm | ✓ Ja |
| Bestandsaufnahme für CAD | ±1–3 cm | ✓ Ja |
| Lighting and electrical planning | ±2–5 cm | ✓ Ja |
| Materialmengenberechnung | ±2–5 cm | ✓ Ja |
| Maßgeschneiderte Schreinerarbeiten / Einbaumöbel | ±2–5 mm | ✗ Maßband oder Laser-Entfernungsmesser besser geeignet |
| Statisches Aufmaß | ±1–3 mm | ✗ Professioneller Laserscanner erforderlich |
LiDAR ist nicht für jede Aufgabe das richtige Werkzeug – aber es ist das richtige Werkzeug für den Großteil der professionellen Gebäudedokumentation. Für Arbeiten mit Millimeter-Genauigkeit ist ein spezialisiertes Instrument besser geeignet.
Welche Geräte haben LiDAR?
Apple führte LiDAR 2020 mit dem iPhone 12 Pro beim iPhone ein. Seitdem gehört es bei allen iPhone Pro- und Pro-Max-Modellen zur Standardausstattung. Das iPad Pro verfügt seit dem 2020er-Modell über LiDAR. Derzeit hat kein Android-Smartphone einen raumtauglichen LiDAR-Sensor.
Die aktuellen LiDAR-Geräte sind iPhone-Pro-Modelle vom iPhone 12 Pro bis zum iPhone 17 Pro (erschienen im September 2025) sowie iPad-Pro-Modelle ab 2020. Standard-iPhone-Modelle – einschließlich iPhone 17 und iPhone 17 Air – haben kein LiDAR.
Eine vollständige Gerätekompatibilitätsliste und einen Vergleich von iPhone Pro und iPad Pro für das Scannen von Räumen findest du im dazugehörigen Artikel: Welche Smartphones können Räume in 3D scannen?
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Metaroom ist eine professionelle Grundriss-Scan-App für iPhone Pro und iPad Pro. Sie nutzt den in diese Geräte integrierten LiDAR-Sensor, um die Raumgeometrie direkt zu erfassen – nach jedem Scan entstehen automatisch ein bemaßter 2D-Grundriss und ein 3D-Modell. Die Genauigkeit liegt bei 1 %, also etwa 1 bis 2 cm pro Wand. Die Ergebnisse werden als PDF, DXF, IFC, Excel und in über 30 weiteren Formaten exportiert. Eine 3-Zimmer-Wohnung wird in 10 bis 20 Minuten gescannt.